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Kinder brauchen mehr!

Kinderarmuts-Symposium in Wien: Kinder brauchen mehr!

Um den Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober setzt die Volkshilfe jährlich zahlreiche Aktionen in ganz Österreich. Fester Bestandteil der Aktivitäten ist das von der Volkshilfe Österreich veranstaltete Symposium zum Thema Kinderarmut, das gestern im Dachsaal der Wiener Urania stattfand.

Was Kinder brauchen

Den Beginn gestaltete Ingrid Kromer von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems mit einer Studienpräsentation. Im Auftrag der Bundesjugendvertretung wurden Kinder befragt, was es für ein gutes Aufwachsen braucht. Die qualitative Studie zeigt beispielsweise auf, dass Kinder ein soziales Netz – Familie, Freunde und „Menschen, die einen mögen“ – für besonders wichtig erachten. Als Voraussetzung um „nicht arm zu sein“ nennen Kinder „ein Dach über dem Kopf“. Aber auch Kleidung, die dem Mainstream entspricht, wird als wichtig erachtet. Zum Abschluss listet Kromer Handlungsempfehlungen für PolitikerInnen auf, die die Kinder entwickelt haben: Kindern zuhören und sie in Entscheidungen einbeziehen, wird als besonders relevant erachtet.

Ist es unfair, arm zu sein?

Gottfried Schweiger vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg stellt die Frage in den Mittelpunkt, ob es unfair ist arm zu sein. In der Beantwortung der Frage geht er besonders auf den philosophischen Diskurs zum Armutsbegriff ein. Daneben stellt er die Frage, ob es gerecht ist, dass das Wahlrecht einzig und allein vom Alter abhängig ist – weitere Voraussetzungen zum Wählen aber nicht gegeben sind. Klar sei hingegen: Kinderarmut ist unfair, wenn sie eine wesentliche Einschränkung des aktuellen und künftigen Wohls des Kindes darstellt. 

Wirkung von Sozialtransfers

Marcel Fink vom Institut für höhere Studien zeigt die Wirkung von Sozialtransfers in Österreich auf. Dabei sei zu beachten, dass das Ausgangsniveau von Armutsgefährdung von Kinderarmut in unserem Land hoch ist. Durch Sozialtransfers kommt es jedoch zu einer substantiellen Reduktion der Armutsgefährdung. Auch zeigt er auf, dass es eine starke Konzentration des Systems auf Geldleistungen gibt, während bei den Sach- und Dienstleistungen Lücken bestehen. Abschließend meint Fuchs, dass Armut und soziale Teilhabe von Kindern momentan wenig als eigenständiges politisches Thema etabliert ist und rät zu einem integrierten Governance-Ansatz und einer größeren Breite und Tiefe der einschlägigen Forschung.

Kindergrundsicherung

Nach einer Kaffeepause zeigt die Ökonomin Irene Becker vom Empirischen Verteilungsinstitut in Deutschland auf, dass die Situation von Kinderarmut in Österreich jener in Deutschland ähnlich ist: Ein gravierendes Problem. Konkret brauche es sowohl angemessene infrastrukturelle Angebote und soziale Kontakte, als auch die finanzielle Absicherung der Familie. Dabei ist jedoch klar: Steuerrechtliche Maßnahmen können Armut nicht bekämpfen, weil die betroffenen Familien nicht oder nur gering davon profitieren. Die Lösung: Kindergrundsicherung. Diese soll an jedes Kind ausbezahlt werden und bei geringerem Einkommen des Haushaltes höher sein, bei höherem Einkommen niedriger. Ähnlich wie die Volkshilfe schlägt Becker aufgrund der Erhebung der realen Kinderkosten einen Maximalbetrag von 614 Euro vor, als Mindestbetrag 324. Dieses System hätte eine Besserstellung in allen Einkommensgruppen zur Folge und würde Kinderarmut signifikant reduzieren.
Volkshilfe-Modell

Zum Abschluss des Symposiums präsentieren Erich Fenninger, Manuela Wade und Judith Ranftler von der Volkshilfe Österreich ihr Modell der Kindergrundsicherung. In der Publikumsdiskussion wird das Konzept kritisch reflektiert. Unter anderem enspannt sich eine lebhafte Diskussion um die Frage, ob Geldleistungen Sachleistungen ersetzen können oder wie sich hier eine ergänzende Wirkung bei der Bekämpfung von Armut erzielen ließe.

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