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Ferien allein zuhaus?

„Wir fordern einen Stopp des Rückzugs der öffentlichen Hand aus der Förderung von Kinderurlaubsangeboten“

Wien, 11. Juli 2017

„Die Erfahrungen, die wir in unserer Kindheit machen, prägen uns ein Leben lang“, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich einleitend bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Daniel Bohmann, Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde Österreich. Gemeinsam machen sie auf den aktuellen Rückzug der öffentlichen Hand aus der Förderung von Kinderurlaubsangeboten aufmerksam.

Armut tut weh
Armut schränke Kinder in zahlreichen Lebensbereichen ein, meint Fenninger: „Neben materieller Armut sind betroffene Kinder von einem sehr begrenzten Zugang zu öffentlichen Ressourcen konfrontiert und erfahren täglich soziale Ausgrenzung und emotionale Belastung. Verzichten ist ein Dauerzustand, denn der Fokus liegt auf der Sicherung von elementaren Bedürfnissen. So darf der Kühlschrank nicht kaputt werden, niemand darf krank werden und die Schuhe müssen noch eine Weile halten. All dies wird von Kindern und Jugendlichen erlebt und gefühlt, was Scham und Minderwertigkeitsgefühle zur Folge hat“. Nicht zuletzt führe die belastete Lebenssituation – unmittelbar oder zeitlich verzögert – zu gesundheitlichen Problemen: „Arme oder armutsgefährdete Kinder haben bei ihrer Geburt ein geringeres Gewicht, eine geringere Körpergröße bei Schuleintritt und sind häufiger in Unfälle verwickelt. Außerdem weisen sie häufiger Entwicklungsverzögerungen auf“.

Urlaub: Ein Privileg für Kinder aus reichen Familien?
Gerade wer das ganze Jahr über mit finanziell angespannten Situationen umgehen und diese dauernden Belastungen erleben muss, braucht Abstand davon, sind sich Fenninger und Bohmann einig: „Doch die Realität sieht anders aus. In Österreich können 325.000 Kinder nicht auf Urlaub fahren, rund 120.000 von ihnen leben in armutsgefährdeten Haushalten“.

Seit jeher ist eines der erklärten Ziele der Kinderfreunde-Bewegung, ArbeiterInnen-Kindern, die oft in ungesunden Wohnverhältnissen leben, Ferien von ihrem Alltag zu ermöglichen: „Seit vielen Jahrzehnten werden sozial benachteiligte und kranke Kinder auch von der öffentlichen Hand unterstützt, wenn sie mit Anbietern wie den Kinderfreunden auf Ferien fahren“. Leider sei diese Unterstützung aber in den letzten Jahren eklatant zurückgenommen worden, was dazu führe, dass viele benachteiligte Kinder keinen Urlaub mehr machen könnten.

Die Unterstützung durch die öffentliche Hand sei gegliedert in Kinder- und Jugendhilfe, Krankenkassen und Fördertöpfe durch Städte, Gemeinden und Länder. Rückgänge seien in allen drei Bereichen in zahlreichen Bundesländern wahrnehmbar, sagt Bohmann: „In Niederösterreich wurden im Jahr 2013 für 263 Kinder die Kosten für den Ferienaufenthalt bei den Kinderfreunden durch die Kinder- und Jugendhilfe übernommen, heuer sind es nur noch 94 Kinder. Die Förderung durch Krankenkassen für Erholungsaufenthalte wurde beispielsweise in der Steiermark  2001 ersatzlos gestrichen. Auch in Tirol ist ein eklatanter Rückgang der Förderung durch öffentliche Hand feststellbar. In Innsbruck zum Beispiel bekommen die 15 Kinder, die Unterstützung vom Land bzw. von der Gemeinde für Ferien zuhause benötigen würden, diese nicht mehr“.

„Ferien allein zuhause“ darf nicht Realität werden!
Geltendes Kinderrecht sichert Beteiligung an Freizeit, kulturellem und künstlerischen Leben zu, betonen Fenninger und Bohmann abschließend: „Österreich hat sich dazu verpflichtet, die Bereitstellung geeigneter und gleicher Möglichkeiten für die kulturelle und künstlerische Betätigung sowie für aktive Erholung und Freizeitbeschäftigung zu fördern. Gerade Kinder, die in schlechten und beengten Wohnverhältnissen, in schwierigen Familienverhältnissen und in Armut leben müssen, brauchen diese Angebote. Aufgrund dessen fordern wir die öffentliche Hand auf: Stoppt den Rückzug aus der Förderung qualitativer Kinderurlaubsangebote. Jedem Kind alle Chancen!“.

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